19.3. Tag
2 an Bord. Was für ein Tag! Wie gemalt. Sonnenaufgang 7.10 Uhr, Untergang 19.20
Uhr, aalglatte See, keine Wolke am Himmel. Annette ist rauf auf Deck 10 zur
Joggingstrecke und hat 10 Runden = 4 km gedreht. Ich fange morgen an! Frühstück
ganz vorn am Fenster mit Blick auf das Meer - herrlich. Danach haben wir erst
einmal das Schiff erkundet. Ab Mittag Live Music der Band "Hot
Sands", klasse Country - und Reggae-Music. Wir saßen im Schatten und haben
die Leute beobachtet, die Alten, die kaum krauchen können, die Dicken, die sich
über’ s Deck "wälzen", die Fitten, die auf der Laufstrecke rennen,
die Bekloppten, die sich - frisch gekalkt - stundenlang in die Sonne
"brezeln" bei UV-Strahlung 10 (high). Der Fahrtwind kühlt zwar, aber
die Einstrahlung bleibt. Die Zusammensetzung der Passagiere (2000) schätze ich
ungefähr so ein: 5% unter 20, 10% zwischen 20 - 60 Jahre, 85% älter bis uralt.
Böse Zungen könnten sagen, dass einige sich auf der Fahrt zur Seebestattung
befinden. Ab 16.30 Uhr haben wir auch ein Sonnenbad genommen. Annette ist dann
noch 45 min. in den Fitnessraum gegangen, um die ganzen
"Foltergeräte" auszuprobieren. Dort war Hochbetrieb. Dann hieß es
sich "fein" machen zur "Captain's Welcome Aboard Reception"
im Centrum, das sich über Deck 4, 5, 6 und 7 erstreckt. Die Dicken vom Pooldeck
sahen in ihrer Abendrobe jetzt ganz anders aus. Der Captain ist ein relativ
junger Mann, Kroate, der aber nur den eigentlichen Captain, eine Dänin,
vertritt. Sie gehört zu den weltweit 3 weiblichen Captains auf einem
Kreuzfahrtschiff und ist z.Z. auf Urlaub. Viel Hintergrundwissen erfahren wir
von unserem Cheese-man, einem jungen Jamaikaner. Als wir ihn heute am
Mittagsbuffet sahen und nicht gleich wussten, wo wir ihn "hinstecken"
sollten, sagte er: "I'm the cheese-man from yesterday evening".
Zurück zum Captain. 30 min. stand der arme Kerl da und ließ sich mit Ladies
fotografieren. Dann hielt er die Begrüßungsrede, die aber in der undisziplinierten
Menge unterging. Wir verstanden nichts und gingen zum Dinner ins
Windjammer-Café. Da war wie immer "casual" angesagt, also legere
Kleidung. In dem Hauptrestaurant war der dresscode "formal", d.h.
Abendkleid und Anzug mit Krawatte vorgeschrieben. Ein sehr schöner Tag ging zu
Ende.
20.3. Tag 3 an Bord. Um 7.00 Uhr waren wir schon
auf der Piste, 10 Runden = 4 km gedreht. Bis auf zwei Läufer (einer davon
Annette) alles Walker. Das Meer ist heute leicht bewegt. Wetterreport: sonnig,
UV-Strahlung 11 (very high), 29 C. Die Information an Bord ist ausgezeichnet.
Jeden Abend erhält jede Kabine die Bordzeitung (5 - 6 Seiten) mit allen
Aktivitäten von 6.00 Uhr bis 2.00 Uhr in der Nacht. Wassergymnastik, Klettern,
Bridge, Bingo, Seminare über Gemälde, Gesundheit usw. Dazu gibt es interessante
Vorträge, leider alle in Englisch. Und dann natürlich jede Menge über Beauty,
Kosmetik, Massagen, Akkupunktur und Anti-Aging-Programme, obwohl sich das für
die meisten nicht mehr lohnt. An der Rezeption habe ich erfragt, woher die
Passagiere kommen. Ergebnis: 400 Kanadier, 39 Deutsche, 10 Franzosen, 4 Russen,
2 Schweizer, 2 Ungarn, einige Japaner, über 100 Engländer und Mexikaner, der
Rest (d.h. ca. 1550) US-Bürger. Die Sonne brannte auf das Deck, wir blieben im
Schatten. Die Band "Hot Sands" machte wieder klasse Musik. Um 13.45
Uhr war auf dem Pooldeck die "World's Sexiest Man Competition"
angesagt. "Ich mache da mit", sagte ich zu Annette. Sie dachte, ich
mache Quatsch. Als sie dann sah, dass ich in der Reihe der Aspiranten stand,
lachte sie sich kaputt. Ringsherum johlte die Menge über die mehr oder weniger
gelungenen Vorführungen der 10 Teilnehmer. Unter den Amis und Kanadiern war ich
der Exot. Schon bei der Ankündigung "Günter from Germany" gab es viel
Beifall, dabei hatte ich noch gar nichts gemacht. Die Jury bestand aus 6 Frauen
aus dem Publikum. Dann die Preisverleihung:

Sexiest Man of the World - Günter from Germany. Ich hätte mich auch kaputt lachen können wie Annette. Fotos wurden gemacht, das Bordfernsehen drehte die ganze Zeit mit. Irgendwann werde ich mich im Bord-TV sehen. Siegerpreis: 5 Handtücher mit dem Aufdruck: Sexiest Man of the World. Ja, so kann's einem gehen. Neben dem Lustigen noch etwas Trauriges. Als wir auf der Liege lagen, hörten wir Deutsche neben uns. Ein älterer Mann schob seine Frau in einem Rollstuhl heran. Sie wollten sich neben uns niederlassen. Der Mann selbst war gehbehindert, an der Treppe zog er sich mit beiden Händen am Geländer hoch. Außerdem hatte er nur ein Auge. Die Frau saß wie ein Häufchen Unglück völlig hilflos im Rollstuhl. Ich habe ihm geholfen, sie auf die Liege zu legen, allein hätte er es wohl nicht geschafft. Da gehört schon Mut dazu, auf eine so lange Kreuzfahrt zu gehen. Uns hat das etwas betroffen gemacht. Um 17.00 Uhr ab ins Fitnessstudio für eine halbe Stunde und dann zum Dinner, heute mal ins Aquarius-Restaurant. Was für ein riesiges Restaurant!! Einige hundert Plätze, Gedecks vom Feinsten. Wir waren 10 Personen am Tisch. Als die Tischnachbarn uns sprechen hörten: "Were are you from?" und los ging's mit dem Kauderwelsch. Immer interessant, wo die Leute schon überall waren. Larry und Nancy aus Phoenix waren erstaunt, dass wir viel mehr Nationalparks in den USA kannten als sie. Aber dafür waren sie schon in München und Oberammergau, wo wir noch nicht waren. Nach dem Abendbrot - Hauptgericht Lammkottelets - zum Tanzen im Zentrum zur Musik vom "City Lights Trio". Das letzte Mal haben wir zusammen getanzt auf unserer Marokkoreise 1999 in Agadir!! Aber wir konnten es noch.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen