Mittwoch, 10. April 2013


09.4.     Über Nacht wurde uns ein Temperatursturz beschert. Gestern noch 28.0 C, heute Morgen 7.0 C und Regen. Eigentlich wollten wir weiter nach Norden in den "Canyon de Chelly, National Monument", da sagte der Wetterbericht
- 4 C und starken Schneefall voraus. So mussten wir unsere Route ändern. Von Miami (AZ) auf einer in Karte und Führer empfohlenen landschaftlich schönen Strecke 150 km nach Show Low. Zuerst im Gebiet der San Carlos Apachen, nach dem Salt River Canyon durch das Gebiet der White Mountain Apachen. Die White Mountains machten ihrem Namen alle Ehre. Aus Regen wurde Schnee, je höher wir kamen, umso kälter wurde es, schließlich 2 C und eine geschlossene Schneedecke. Über Nacht waren 15 cm Schnee gefallen. Es war schade, dass der Schneefall die Sicht sehr beeinträchtigte und wir die 
wirklich schöne Strecke nicht genießen konnten. In Show Low war ich in der Ortseinfahrt zu schnell und wurde geblitzt. Mal sehen, ob da was nachkommt. Nach dem Fahrerwechsel stellte Annette fest, dass im Armaturenbrett eine Lampe leuchtete: Symbol für "check engine". Kurze Zeit später sahen wir eine kleine Werkstatt mit genau diesem Symbol und den Worten: "We can help you". Wir konnten gleich in die Halle fahren. 2 Mechaniker prüften mit einem Testgerät alle Motorfunktionen, danach nochmal per Hand und Auge den gesamten Motorraum. Es war nichts festzustellen. Sie versicherten uns, dass wir beruhigt weiterfahren könnten. "Don't worry!" Ich wollte bezahlen, aber sie wollten absolut kein Geld annehmen. "Have a good day!" Der nächste Ort hieß Snowflake - Schneeflocke. Es waren aber viele Schneeflocken, die vom wolkenverhangenen Himmel fast horizontal fielen. In Holbrook trafen wir auf die Route 66, dort hatten wir im letzten Jahr auf einem KOA-RV Platz übernachtet. Wir kannten daher einen kleinen Imbiss und machten dort Mittagspause. Von Westen her wurde es heller, morgen soll der Spuk vorbei sein und die Temperaturen auf über 20 C steigen. Unser Hotel in Chambers war herrlich gelegen: auf der einen Seite in 50 m Entfernung die Interstate 10, auf der anderen Seite die Santa Fe Railroad. Na, dann gute Nacht!



10.4.      Unsere Befürchtungen, wegen der I 10 und der Railroad nicht schlafen zu können, waren umsonst. Da kein Bahnübergang in der Nähe war, gab es auch nicht das unüberhörbare Hupen der Loks. Um 7.00 Uhr Blick aus der Tür: kaum zu glauben, blauer Himmel mit ein paar vereinzelten Wolken, aber saukalt, 4 C. Was für ein Unterschied zu gestern. Im Wetterkanal konnten wir sehen, wie der Wintersturm über den mittleren Westen und Osten gezogen ist bzw. noch zieht. In Chicago z. B. sind gestern über 400 Flüge gestrichen worden. Für Nordarizona waren die Aussichten gut, und da wollten wir ja hin. Ziel: Page, die Stadt am Lake Powell, wo der Colorado aufgestaut wird. Die 191 führte schnurgerade nach Norden. Aus dem Apachenreservat kamen wir ins Gebiet der Navajo. Sie bezeichnen sich als Nation, nicht als Stamm, und zählen 170 000 Mitglieder. Ihr Reservat hat die Größe Bayerns! Der super ausgebaute Hwy. führte auf eine Hochfläche von 1500 bis 2000 m Höhe. Die Sonne stieg immer höher, die Temperatur sank immer tiefer und blieb über Stunden bei 0 C stehen. Die Landschaft änderte sich alle 50/60 km. Mal Wüste mit kniehohem Gestrüpp, mal bis zum Horizont reichendes Grasland, dann wieder eine Art Heidelandschaft mit 2-3 m hohem Wacholder. Und immer wieder links und rechts die Mesas (=Tisch), Tafelberge, in die sich tiefe Canyons hineingefressen hatten. Dann fuhren wir durch ein Mini-Monument Valley mit großen allein stehenden Felsen und Säulen, die der Verwitterung Stand gehalten haben. 

Es gab immer etwas zu sehen oder zu fotografieren. Das einzige, was wir nicht gesehen haben, waren Indianer, außer in den Supermärkten, Souvenirläden und Tankstellen. 420 km waren es bis Page, wir brauchten mit einigen Pausen 6 Stunden. Vergessen habe ich die Hopi, ein sehr selbstbewusstes Volk, das mitten im Navajogebiet lebt und bekannt ist durch ausgezeichnete kunsthandwerkliche Erzeugnisse. Nur der Vollständigkeit halber: In den USA gibt es 314 Indianerstämme, die in Reservaten leben. In Page angekommen haben wir uns erst einmal den Grund unseres Hierseins gewidmet, nämlich die Tickets für die Fahrt zum und in den Antelope Canyon gebucht. Dazu morgen. Die Temperatur war zum Schluss auf 10 C!! gestiegen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen